Lärmsenkung durch Schallabsorption
Die Nutzer von Räumen wünschen akustischen Komfort – zum Beispiel, weil sie sich ungestört unterhalten möchten. Hohe Schallabsorptionswerte sind nicht alles – der Absorptionsgrad muss auf die Nutzung des Raumes und die vorhandenen Randbedingungen abgestimmt sein.
Nachhallzeitregelung
Für jeden Raum lässt sich eine für die Raumnutzung optimale Nachhallzeit ermitteln. Gerade weil bei der Auswahl von Boden und Wänden raumakustische Belange meistens nicht berücksichtigt werden, kommt der abgehängten Decke für die Regulierung der Nachhallzeit eine so große Bedeutung zu.
Halbhohe Wände bewirken nicht viel
Solange schallharte Decken mit im Spiel sind, lässt sich mit Raumteilern wie halbhohen Wänden nur eine optische Trennung herbeiführen – ohne akustischen Effekt für den Arbeitsplatz. Das ändert sich durch den Einbau von absorbierenden OWA Decken.
Raumakustische Planung mit Hilfe der DIN 18041
Zur raumakustischen Planung von Räumen steht seit Mai 2004 die überarbeitete Fassung der DIN 18041 "Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen" zur Verfügung.
Diese Norm gibt Soll-Nachhallzeiten Tsoll für bestimmte Raumarten wie Unterrichts- Musik, Tagungs- und Konferenzräume sowie Sport- und Schwimmhallen vor.
Kompaktübersicht
DIN 18041 "Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen" |
| Gliederung |
Räume der Gruppe A "Hörsamkeit über mittlere und größere Entfernungen" |
|
Räume der Gruppe B "Hörsamkeit über geringe Entfernungen" |
| Musik |
- Musikunterrichtsraum mit aktivem Musizieren und Gesang
- Rats- und Festsaal für Musikdarbietungen
|
- Einzel-, Mehrpersonen- und Großraumbüros
- Call-Center
- Verkaufsräume, Gaststätten
- Publikumsräume für ÖPNV, Fahrkartensch.
- Sprechzimmer in Anwalts- und Arztpraxen
- Bürgerbüros
- Operationssäle, Behandlungs- und Reharäume
- Lesesäle und Leihstellen in Bibliotheken
- Werkräume (z. B. Lehrwerkstatt)
- Öffentlichkeitsbereiche, Publikumsverkehrsfl.
- Foyers, Ausstellungsräume
- Speisegaststätten, Kantinen
|
| Sprache |
- Gerichts- und Ratssaal
- Gemeindesaal, Versammlungsraum
- Musikprobenraum in Musikschulen o.Ä.
- Sport- und Schwimmhallen mit Publikum
|
| Unterricht |
- Unterrichtsraum (außer für Musik), Hörsaal
- Musikunterrichtsraum mit audio- visueller Darbietung
- Gruppenräume in Kindergärten, Seniorentagesstätten
- Seminarraum, Interaktionsraum
- Hörsaal
- Raum für Tele-Teaching
- Tagungs- und Konferenzraum
- Darbietungsraum ausschließlich für elektroakustische Nutzung (z. B. kleine Revuetheater)
|
| Sport 1 |
- Sport- und Schwimmhallen ohne Publikum, einzügiger Betrieb
|
| Sport 2 |
- Sport- und Schwimmhallen ohne Publikum, mehrzügiger Betrieb
|
Worin unterscheiden sich die beiden Raumgruppen?
Räume der Gruppe A Es werden konkrete Anforderungen festgelegt.
Räume der Gruppe B Es werden nur Empfehlungen ausgesprochen.
|
Räume der Gruppe A
Die Räume der Gruppe A sind nach so genannten Nutzungsarten (Musik, Sprache, Unterricht, Sport 1 und Sport 2) gegliedert. Mit Hilfe des Raumvolumens kann für jeden Raumtyp der Gruppe A die raumakustische Anforderung in Form einer Soll-Nachhallzeit Tsoll [s] festgelegt werden. Diese Soll-Nachhallzeit muss durch eine geeignete raumakustische Konzeption sichergestellt werden.
Musik: Tsoll = [0,45 · lg(V) + 0,07] s
Sprache: Tsoll = [0,37 · lg(V) – 0,14] s
Unterricht: Tsoll = [0,32 · lg(V) – 0,17] s
Die Soll-Nachhallzeiten Tsoll [s] gelten für besetzte Räume (Inventar + Personen). Im unbesetzten Zustand sollte die Nachhallzeit des Raumes nicht mehr als 0,2 s über dem Sollwert liegen!
Für Sport- und Schwimmhallen mit 2000 m3 ≤ V ≤ 8500 m3 gilt:
Sport 1: Tsoll = [1,27 · lg(V) – 2,49] s
Sport- und Schwimmhallen ohne Publikum für normale Nutzung und/oder einzügigen Unterrichtsbetrieb (eine Klasse oder Sportgruppe, einheitlicher Kommunikationsinhalt).
Sport 2: Tsoll = [0,95 · lg(V) – 1,74] s
Sport- und Schwimmhallen ohne Publikum für mehrzügigen Unterrichtsbetrieb (mehrere Klassen oder Sportgruppen parallel mit unterschiedlichem Kommunikationsinhalt).
Beispiel:
Für einen Klassenraum mit 180 m3 Raumvolumen soll die Soll-Nachhallzeit Tsoll [s] ermittelt werden. Klassenräume gehören zur Nutzungsart „Unterricht“, folglich muss auch die entsprechende Formel für „Unterricht“ verwendet werden:
Unterricht:
Tsoll = [0,32 · lg(V) – 0,17] s
Tsoll = [0,32 · lg(180 m3) – 0,17] s
Tsoll = 0,55 s
In der Praxis darf man von diesem Soll-Nachhallzeitwert in einem gewissen Umfang auch abweichen. Im Frequenzbereich von 250 Hz bis 2000 Hz darf die Abweichung ± 20 % betragen.
Räume der Gruppe B
Für Räume der Gruppe B werden gemäß DIN 18041 nur Empfehlungen beschrieben, die eine der Raumnutzung angepasste Sprachkommunikation über eine geringe Entfernung ermöglichen sollen. Durch geeignete Schallabsorptionsmaßnahmen soll der Gesamtstörschalldruckpegel und die Nachhallzeit im Raum gesenkt werden. Die Einhaltung einer Soll-Nachhallzeit ist gemäß DIN 18041 aber nicht notwendig!
Mit der unten angegebenen Tabelle soll dem Planer von Räumen, die der Gruppe B angehören, ein Hilfsmittel zur vereinfachten Maßnahmenabschätzung zur Verfügung gestellt werden.
| Raumart |
Orientierungswerte für mit Schallabsorber zu bekleidende freie Decken- und Wandflächen als Vielfaches der Raumgrundfläche je übliche lichte Raumhöhe von i. M. 2,50 m bei Verwendung von Schallabsorbern mit einem αw |
| 1,00 |
0,95 |
0,90 |
0,85 |
0,80 |
0,75 |
0,70 |
0,65 |
0,60 |
0,55 |
0,50 |
0,45 |
0,40 |
0,35 |
Call-Center o. Ä. mit starkem Kommuni- kationsverkehr, Werkräume,
Lesesäle in Bibliotheken
|
0,9 |
0,9 |
1,0 |
1,1 |
1,1 |
1,2 |
1,3 |
1,4 |
1,5 |
1,6 |
1,8 |
2,0 |
– |
– |
Mehrpersonen- oder Großraumbüros mit Büromaschinen,
Krankenzimmer, Leihstellen in Bibliotheken, Operationssäle |
0,7 |
0,7 |
0,8 |
0,8 |
0,9 |
0,9 |
1,0 |
1,1 |
1,2 |
1,3 |
1,4 |
1,6 |
1,8 |
2,0 |
| Sprechzimmer in Anwalts- und Arztpraxen, Einzelbüros, Gaststätten, Speisesäle mit
einer Grundfläche über 50 m2 |
0,5 |
0,5 |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
0,7 |
0,7 |
0,8 |
0,8 |
0,9 |
1,0 |
1,1 |
1,3 |
1,4 |
Treppenhäuser, Foyers,
Ausstellungs- räume, Schalterhallen, Flure und Vorräume mit
starkem Publikums-verkehr
|
0,2 |
0,2 |
0,2 |
0,2 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,4 |
0,4 |
0,4 |
0,5 |
0,6 |
Unrealistisches Beispiel:
Raumart: Großraumbüro (Spalte 1, Zeile 2)
Lösungskonzept 1: Man möchte ein Akustikprodukt mit einem Schallabsorptionsgrad αw = 0,50 bzw. (50 %) einsetzen
Beurteilung 1: Aus der Tabelle erhält man den Zahlenfaktor ⇒ 1,4. Bei einem Produkt mit einem αw = 0,50 muss also ca. 140 % der Raumgrundfläche im Decken- und Wandbereich absorbierend ausgestaltet werden.
Realistisches Beispiel:
Raumart: Großraumbüro (Spalte 1, Zeile 2)
Lösungskonzept 2: Man möchte ein Akustikprodukt mit einem Schallabsorptionsgrad αw = 0,70 bzw. (70 %) einsetzen
Beurteilung 2: Aus der Tabelle erhält man den Zahlenfaktor ⇒ 1,0. Bei einem Produkt mit einem αw = 0,70 muss nur ca. 100 % der Raumgrundfläche im Decken- und Wandbereich absorbierend ausgestaltet werden.
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